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Veranstaltungen & Neuigkeiten

Hier erfahren Sie mehr über aktuelle Publikationen, Gastvorträge oder gemeinsame Veranstaltungen der Forschungsgruppe.

 

Ringvorlesung 
Sommer 2026

Es waren oft die geopolitischen, konfessionellen oder demographischen Situationen einer praktisch gelebten Gegenwart, die ein neues Verständnis vom Handeln im günstigen Moment auslösen konnten. Okkasionelles Handeln und Handelnkönnen proliferieren mit den Chroniken der Eroberung des lateinamerikanischen Kontinents, in so unterschiedlichen Lebensbereichen wie dem barocken Theater, der Medizin, der Buchdruck- und Literatenkultur, sowie in der Sprache politischer Souveränität oder diplomatischer Raffinesse. Mit der Vorstellung einer neuen, subjektiv erfahrbaren Dringlichkeit, die sich vom Horizont einer christlich verbürgten Endzeit löst und auf das Hier und Jetzt konzentriert, verändern sich dabei auch gesellschaftlich dominante Zeitvorstellungen und kulturell geprägte Subjektivitätskonzepte. Die Ringvorlesung versammelt neue Beiträge zum Thema "Die günstige Gelegenheit. Eine Erfindung der (spanischen) Frühen Neuzeit". 

Programm

Abbildung: 

Gabriel Rollenhagen, Nucleus emblematum (1611), vol. I, Arnheim, Nr. 4 (Nachdruck hg. v. Carsten-Peter Warncke, Dortmund 1983, S. 19).

Vortrag von 
Prof. Barbara Baert (KU Leuven)

CCT-Lecture 2025: Barbara Baert, international renommierte Expertin zur Ikonographie der "Occasio", spricht in Bonn und auf Einladung der Forschungsgruppe zum Thema "The Weeping Rock. Revisiting Niobe through Paragone, Pathosformel and Petrification".

11. Dezember 2025 um 18:00 Uhr c.t. in Seminarraum 10 (Rabinstraße 8, Erdgeschoss)

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

© Rob Stevens / KU Leuven 

Publikation 
Sammelband

Die Beiträge des Bandes untersuchen die "Occasio" als wesentliches, bislang aber kaum interdisziplinär erforschtes Prinzip frühneuzeitlicher Kultur. Anlass und Gelegenheit fungieren dabei sowohl als realweltliche Impulse wie auch als textinterne Motoren kreativen Sprechens, Schreibens und Handelns. Ein praxeologisches Konzept der Occasio, das diese Aspekte bündelt, ermöglicht neue Perspektiven auf Situiertheit, formale Innovation und frühneuzeitliche Zeiterfahrung. Denn im Zusammenspiel von Situationen, Praktiken und Medien zeigt sich ein tiefgreifender Wandel: Die günstige Gelegenheit wird seit dem 16. Jahrhundert zunehmend als einmaliger, irreversibler Moment verstanden und ermöglicht damit in Europa ein Denken der Zeitlichkeit von Gegenwart, das fortan okkasionelle Kommunikationsformen prägt.

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Ausstellung

Hui Luan Tran hat in Kooperation mit dem Gutenberg-Museum Mainz eine Ausstellung "Ich drucke! Signet, Marke und Druckerzeichen seit dem Zeitalter Gutenbergs" organisiert. Seit der Etablierung der neuen Berufsfelder haben Drucker:innen, Verleger:innen und Buchhändler:innen bei der Wahl ihrer "Logos" geistreiche Gestaltungsideen entwickelt sowie Witz und Kreativität an den Tag gelegt. Die einzelnen Motive bilden den Qualitätsanspruch, religiöse Bekenntnisse oder auch die Fähigkeit der Akteur:innen ab, sich stets neu zu orientierten, um sich unter den wechselnden Bedingungen des Marktes zu behaupten. Die Ausstellung lädt dazu ein, die teils rätselhaften Druckerzeichen genauer zu betrachten, um die Hintergründe zu erfahren. Anlässlich des 625. Geburtstages von Gutenberg stellt das Gutenberg-Museum Mainz in Kooperation mit der Abteilung Kunstgeschichte der Johannes Gutenberg-Universität Mainz die Bildgattung der Druckerzeichen erstmals ins Zentrum einer großen Sonderausstellung. Gezeigt wird eine Auswahl aus dem bisher weitgehend unbekannten Bestand des Frankfurter Druckerforschers und Sammlers Gustav Mori.

Laufzeit: 28. November 2025 
bis 22. Februar 2026

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Vortrag FONTE-Stiftungsgastprofessor

Am 3. Dezember 2025 um 18 Uhr hält der FONTE-Stiftungsgastprofessor am CEUS (Cluster für Europaforschung) der Universität des Saarlandes, Christian Meierhofer, einen literaturwissenschaftlichen Vortrag zum Thema "Neue Text-Welten: Fingierte Reiseberichte der Frühen Neuzeit und ihre erzählerischen Gelegenheiten". Die fiktiven Reiseerzählungen, die Christian Meierhofer in seiner Forschung untersucht und in seinem Vortrag vorstellt, handeln von Reisen bis zum Mond oder in die Unterwelt, wo die Erzählungen der Erlebnisse auch utopische und gesellschaftskritische Dimensionen erhalten. Mithilfe von erfundenen günstigen Gelegenheiten als Startpunkte und Wendungen wird durch die Occasio die Erzählstruktur gesteuert. Das aktive Ergreifen von Gelegenheiten durch die Protagonisten der Reiseberichte bereitete den Weg von der Vorstellung eines gottgegebenen vorbestimmten Lebens hin zum Denken der Aufklärung mit handlungsfähigen und gestaltenden Individuen. 

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Jozef IJsewijn Lecture an der KU Leuven

The 18th Jozef IJsewijn Lecture will take place on Thursday 21 May 2026, at 5pm, in the Justus Lipsius Room of the Erasmushuis (8th floor; Blijde Inkomststraat 21, 3000 Leuven), and will be delivered by Professor Marc Laureys (Universität Bonn), entitled “The Gated Parnassus: Anthologies and the Construction of Latinity Then and Now”. The lecture will be followed by a reception at 6pm in the big hall of the Erasmushuis on the ground floor. Attendance is completely free, but registration will be required.

Abstract: Who decides which poets gain admission to Parnassus — and on what grounds? The anthology, from antiquity to the present day, has been one of the primary instruments by which a literary culture defines its own canon, polices its boundaries, and projects its identity to the wider world. Yet its gatekeeping function remains surprisingly underexamined in the domain of Neo-Latin studies. This lecture takes the monumental Delitiae of Janus Gruterus (1560–1627) as a historically concrete test case for interrogating the mechanisms by which early modern Latin anthologists constructed, negotiated, and contested the boundaries of Latinity itself. Gruterus’ fifteen volumes, published between 1608 and 1614, reveal an intricate web of literary judgement, commercial pressure, national rivalry, and unabashed self-promotion that resists any simple account of canon formation. The questions Gruterus faced as writer, collector, and editor prove, moreover, to be anything but historically remote: they anticipate the challenges confronting Neo-Latin scholars today, as they struggle to navigate, interpret, and render accessible a corpus of barely charted expanse. Attending to this continuity — and to the question what responsibilities we (ought to) assume when we create pathways and signposts in the vast territory of the Neo-Latin world — the lecture ultimately asks what it means to open or close the gates of Parnassus in any age.

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Gastvortrag 

Am 18. Mai 2026 hält Karin Peters einen Vortrag mit dem Titel "Occasion and Opportunity in Spanish Golden Age Theatre" beim Spanish RAD des Spanish Department an der renommierten schottischen St Andrews University. Sie diskutiert darin, inwiefern die polyzentrische Struktur des spanischen Habsburgerreiches und die gelegenheitsbasierte Subjektivität der eroberischen "sazón" bei Hernán Cortés nicht nur als Fortsetzung der machiavellistischen Niederwerfung der Fortuna zu deuten ist, sondern auch mit der Herausbildung eines okkasionalistisch fundierten Denkens von individueller Zukunft korrespondiert. Im barocken Theater bildet sich dies wiederum in jenen Komödienplots ab, in denen imperiales und individuelles Schicksal über Kreuz stehen und handlungsfähige Subjekte im polyzentrischen Raum als Regisseure über das Schicksal inszenieren.

Vortrag zu Gracián

Am 24. Juni 2026 spricht Vertr.-Prof. Johanna Schumm (FU Berlin) im Rahmen der Ringvorlesung zum Thema "Zugespitzt. Poetik und Politik des Situativen bei Baltasar Gracián" und wird darin ihre Arbeiten zum "Barock als geprägt von einer Geisteskunst, die wesentlich Beziehungskunst ist" vorstellen, die 2024 beim Wallstein-Verlag unter dem Titel Witz und Fülle. Oder was heißt Barock? erschienen sind. 

18:00-19:30 Uhr
HS IV, Am Hof 1, Bonn

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Publikation

Aus akteur:innenzentrierter Perspektive versammelt der Band Friedensmacher, Multiplikatoren und Profiteure. Akteure des Westfälischen Friedenskongresses (bibliothek altes Reich, 42), Berlin/Boston 2025, den Michael Rohrschneider gemeinsam mit Ulrich Niggemann und Siegrid Westphal veröffentlicht hat, Beiträge zu einer neuen gelegenheitsbasierten Geschichte der Diplomatie. Anders als in der älteren Forschung rücken somit nicht nur die Diplomaten selbst in den Fokus, sondern auch ihr vielgestaltiges Gefolge, auswärtige Künstler und Musiker oder auch lokale Akteure in den Kongressstädten. Die "Friedensmacher" in den Blick zu nehmen, heißt jedoch nicht, eine Erfolgsgeschichte des Kongresses schreiben zu wollen und lediglich dem individuellen Anteil der zeitgenössischen Akteure am Zustandekommen des Friedensschlusses nachzuspüren. Vielmehr geht es darum, in erweiterter Perspektive Personen(-gruppen), soziale Figurationen und Akteurskonstellationen zu untersuchen, die das Kongressgeschehen prägten, begleiteten oder rezipierten.

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